Bild des Autors Lutz Lohnstein

Aus Rache am Scrabble-Brett zu meinem eigenen Fantasy-Universum

Ich bin Lutz Lohnstein, Jahrgang 1964, Softwareentwickler und Geschichtenerfinder aus dem Taunus. Alles begann an Silvester 2014 bei einem scheinbar harmlosen Scrabbel - Spieleabend. Und wie das bei Familienspielen oft so ist, wurde mit harten Bandagen gekämpft. Meine Frau versuchte nämlich ganz ungeniert zu schummeln: Weil es gerade so schön mit ihren Buchstaben passte, legte sie kurzerhand das völlig frei erfundene Wort „Nussstreifen“. Wir protestierten natürlich sofort lautstark! Doch sie erklärte eiskalt, das sei eine ganz spezielle Sache beim Plätzchenbacken. Da ihr in diesem Moment niemand das Gegenteil beweisen konnte, durfte das Wort trotz aller Widerstände liegen bleiben. (In ein Wörterbuch zu schauen oder gar in einen Duden, war an Scrabble-Abenden in dieser Familie schon immer verpönt. Anm. d. Red.)

Aber das ließ ich natürlich nicht auf mir sitzen. Als ich an der Reihe war, kam meine Revanche: Ich legte das Wort „Erlöserei“ und duckte mich. Sofort brach am Tisch ein mittlerer Aufstand aus! (Kam es mir nur so vor, oder sah ich draußen im Dunkeln durchs Fenster schemenhaft einen Galgen?) Doch ich konterte mit der absurden Erklärung, dies sei in einer alten Religion eine bestimmte Räumlichkeit gewesen, in der gequälte Seelen ihre Erlösung fanden. So schlug ich den Aufstand nieder und mein Wort durfte liegen bleiben.

Aus diesem kreativen (und rachsüchtigen) Wortgefecht kam mir die zündende Idee: Ich programmierte einen digitalen Zufallsgenerator, die Android-App „xWord - die Wortspiel App“. Sie generiert aus einer Liste von fast 5.000 Worten per Zufall völlig neue, verrückte und bisher ungehörte Wortkombinationen.

Während andere Kreuzworträtsel lösen oder Gartenmöbel streichen, erfinde ich solche Fantasiewörter und frage mich, in welcher Welt diese Dinge oder Wesen wohl leben. Da diese neuen Wortschätze natürlich in keinem Duden zu finden sind, musste eine Lösung her. Ich begann, mir humorvolle Beschreibungen für die witzigsten Ergebnisse auszudenken, und veröffentlichte sie auf meiner Website „500 Wortspiele - Neue Worte braucht das Land“.

So entstanden absurd-komische Definitionen, wie etwa für die Grollkohle ("Entweder echt mies gelauntes Brennmaterial oder die Autokorrektur auf dem Smartphone spinnt mal wieder") oder die Satanslerche ("Kehrt als erster Zugvogel vom Nordpol in die Hölle zurück und läutet dort den Frühling ein").

Aus sechzehn dieser per App generierten Fantasiewörter wuchsen bald ganze Welten heran – die Idee für mein Buch „Wortspielwelten - Fantasy am Limit“ war geboren. Jedes einzelne Wort wurde zum Titel einer schrägen Kurzgeschichte, und die ursprünglich für die Website ausgedachte Definition diente als Einleitung.

So bevölkern nun skurrile Gestalten mein Buch: der auf eine homöopathische C30-Potenz verdünnte Verdünnungshai Finley, das tanzende Spagatfass namens Eichengreis, die zappelige Kaffeequalle Jelly Lou oder das diabolische Infernozäpfchen. Es entstand ein Universum, in dem die Logik Urlaub macht. Wer Terry Pratchett, Douglas Adams oder Walter Moers mag, ist hier genau richtig. Und wer nicht – darf sich trotzdem wundern.

Ja... der Scrabble-Abend von 2014? Der Kreis schließt sich auf wunderbare Weise im fertigen Buch. Mein damals aus Rache erstrittenes Wort „Erlöserei“ hat tatsächlich seinen Weg in die Kurzgeschichte „Der Abflusspeiniger“ gefunden. Dort bereiten die Kollegen aus der Erlöserei die gepeinigten Rohre der Kanalisation auf ihr neues Leben in Sauberkeit vor.

Und falls dich beim Lesen das Gefühl überkommt, ein tanzendes Fass oder eine zappelige Kaffeequalle schaue dir über die Schulter – keine Sorge: Die wollen nur spielen. Willkommen in einem Universum, in dem die Realität gerne mal Pause macht!

Willkommen in meinen Welten!